Die Reichsburg Tangermünde

Mit einer Ausdehnung von 115 mal 150 Metern gehört die Burg Tangermünde zu den größeren Höhenburgen Norddeutschlands. Sie ist der älteste Teil Tangermündes und überragt die Stadt um 6 Meter. Auf der Elbseite liegt die Steilfront der Burg mit einer hohen Backsteinmauer und acht gewaltigen Strebepfeilern aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, erneuert 1771. Der zweite Pfeiler von Osten, welcher 1969 wegen Baufälligkeit wiederholt erneuert werden musste, wurde dabei in seiner Form leider verfälscht.

Im 10. und 11. Jahrhundert bildete Ostsachsen das Kernland des frühen deutschen Staates. Die Gebiete um den Harz und zwischen ihm und der damaligen Ostgrenze an Elbe und Saale waren das Zentrum der Herrschaft der deutschen Könige. Die ständigen Kämpfe mit den elbslawischen Stämmen ließen zur Sicherung der Grenze ein nach strategischen Gesichtspunkten aufgebautes Burgensystem entstehen, über das die deutschen Könige verfügten. Dazu gehörten auch die Burgen und ihre Bezirke in der östlichen Altmark, unter ihnen die vor mittlerweile fast 1000 Jahren erstmals genannte Reichsburg Tangermünde.

Der Burgberg liegt am Rande einer während der Saaleeiszeit entstandenen Grundmoräne. Mit seiner 15 Meter hoch gelegenen Niederung über der Elbe und seinem Steilhang zur Tangermündung, bietet er einen idealen Schutz. Der weite Blick ins Land dürfte ein weiterer Grund dafür sein, dass bereits sehr früh Menschen diesen Ort aufsuchten und später eine Burg errichteten. Eine vermutlich aus der Bronzezeit stammenden und bei Grabungen entdeckte Bronzenadel, lässt die Vermutung auf eine Siedlung aus weit zurückliegender Zeit zu. Urkundlich jedoch lässt sich die Nutzung des Berges erst seit dem Jahre 1009 nachweisen.

Die Fränkischen Reichsannalen berichten, dass Kaiser Karl der Große im Jahr 808 seinen Sohn Karl gegen die slawischen Linien (heutige Prignitz) schickte und im selben Jahr zwei Burgen zum Schutz gegen die Slaweneinfälle an der Elbe errichtet wurden. In den Quellen werden allerdings weder Orte noch Namen genannt. Eine der beiden Burgen, die Burg Hobuoki (Höhbeck, eine Geesthöhe am Elbufer im niedersächsischen Kreis Lüchow-Dannenberg) hat Carl Schuchhardt ausgegraben. Die zweite Burg vermutet Johannes Schultze als Brückenkopf dem Höhbeck gegenüber liegendem Lenzen. Max Bathe's Überlegungen dagegen, welche sich auf der Ausdeutung von Nachrichten aus der Chronik des westfränkischen Klosters Moissac (Südfrankreich) stützen, mutmaßen eine Burg in Tangermünde. Im Gegensatz zum Höhbeck gibt es zu dieser Zeit vom Tangermünder Burgberg weder Aufzeichnungen, noch archäologische Funde. Bereits 978 erwähnt Thietmar einen Grafen Brun von Harneburg (Arneburg). Deshalb ist eine weitere Burg auf dem Burgberg bei Tangermünde zwar durchaus denkbar, aber nicht erwiesen. Und so sucht man bis auf den heutigen Tag, eine Burg Kaiser Karls des Großen auf dem Tangermünder Burgberg, vergebens.

Das Burgtor befindet sich auf der der Stadt zugewandten Seite. Dass es durch eine Zugbrücke gesichert war, ist wahrscheinlich. Der über dem Torbogen eingelassene brandenburgische Adler zeigt noch heute den einstigen Herrscher, den Kurfürsten von Brandenburg. Der Durchfahrtsbau misst 11 mal 11 Meter, war einst zweigeschossig, überdacht und gehört im Wesentlichen in das 15. Jahrhundert. Noch vorhandene Balkenlöcher im Mauerwerk lassen erkennen, dass Ober- und Untergeschoss durch eine Balkendecke getrennt waren. Das Obergeschoss mit seinen vier Schießscharten diente Verteidigungszwecken. Als weiterer Schutz befindet sich seitlich des Tores ein massiver Rundturm, um 1840, vermutlich durch den Hohenzollernkurfürst Albrecht Achilles, erbaut. Im Erdgeschoss des Turmes befindet sich ein Verlies. Die drei darüber liegenden Stockwerke sind von einem Zinnenkranz umgeben, welcher 1902 wieder hergestellt wurde. Zeitgleich wurde das Kegeldach aufgesetzt, wodurch der Turm eine Gesamthöhe von 37 Metern erhielt. An der Außenseite des Turmes ist in Höhe des zweiten Stockwerkes, auf Kragsteinen über dem Burgraben vorhängend, ein Aborterker zu erkennen. Die im 18. Jahrhundert eingebauten Gefängniszellen gaben dem Turm den Namen Gefängnisturm.

Burgtor mit Gefängnisturm

Der über dem Torbogen eingelassene brandenburgische Adler zeigt noch heute den einstigen Herrscher: Den Kurfürsten von Brandenburg.

 

Die Burg erfuhr zwischen 1373 und 1378 einen völligen Umbau. Sie war ursprünglich an drei Seiten von einer 1,50 Meter breiten und 10 Meter hohen Mauer umgeben, welche allerdings im Jahre 1819 an der Elbseite größtenteils einstürzte. Anzunehmen ist, dass die Burgmauer aus der Zeit Kaiser Karl IV. stammt. Der Kapitelturm steht in der Ostecke im Verband mit dem Mauerring. Er diente einst als Getreidespeicher für die Einkünfte des Berliner Domkapitals, daher auch der Name Kapitelturm. Das oberste Geschoss wurde 1903 nach einem Kupferstich von Merian wieder hergestellt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatte der Turm oberhalb des vierten Stockwerkes mit einer Plattform abgeschlossen.

Der Bergfried

Das im Original wieder hergestellte Eisentor auf der Burg

 

Im Burghof selbst befand sich ein Graben, welcher allerdings zugeschüttet ist, um das Burginnere verstärkt zu schützen. Hier auf der Hauptburg standen die wichtigsten Gebäude. Bis heute erhalten, die so genannte Kanzlei. Es ist das einzig erhaltene Gebäude aus dem 14. Jahrhundert und war das Tanzhaus der Burg. Im Inneren, durch eine Holzbalkendecke getrennt, befinden sich zwei große saalartige Räume. Der Keller besteht aus zwei nebeneinander liegenden Tonnengewölben. Die Spitzbogenfenster im unteren, als auch die Segmentbogenfenster des oberen Geschosses sind vermauert. Das Äußere des Hauses ist leider so verändert, dass es seine einstige Schönheit nur erahnen lässt. Neben der Kanzlei mit Blick zur Elbe befindet sich ein Barockbau. Erbaut 1699 - 1701, diente er dem preußischen König Friedrich I. als Absteigequartier. Das Haus war später Sitz eines Domänenamtes (eine Art Justizgebäude mit polizeilichen und finanziellen Aufgaben), diente ab 1966 als Kinderkrankenhaus und ist heute Schlosshotel.

Die Kanzlei (im Volksmund: "alte Kanzlei")

 

 

 

Informatives:

Noch einmal wird die Stadt von Franzosen eingenommen , welche die Burg in den Verteidigungszustand setzen, aber am 14. August 1813 ohne Kampf abziehen.

In Begleitung durch Königin Elisabeth und dem Prinzen Karl, besucht König Friedrich Wilhelm IV. Tangermünde am 21.Juni 1841 bereits zum zweiten Mal, als es während des festlichen Anlasses auf der Burg zu einem Unfall kommt: auf der Burg bricht das steinerne Geländer der in den Innenhof führenden Schlossbrücke, wobei viele Personen in den Graben stürzen und schwer verletzt werden. Für die Verunglückten lässt der König eine hohe Geldsumme verteilen.

Ludwig Götze, Stadtarchivar in Stendal, nahm 1871 an, dass die Burg Tangermünde um 924 durch Heinrich I. angelegt wurde. Mit Ausnahme der Burg Walsleben existieren allerdings keine Aufzeichnungen über Burgen der Altmark aus dieser Zeit. Und so betonte bereits 1888 Wilhelm Zahn (Pfarrer ab 1858 in Tangermünde): "Die älteste Geschichte der Burg Tangermünde liegt im Dunkel", eine bis heute zutreffende Aussage.

 

 

 

Diese beiden colorierten Ansichtskarten von 1902 bzw. 1907 zeigen die Burgtürme mit ursprünglichen Dachformen und jeweils einem Geschoss weniger.....