Der Scharfrichter

Noch einige Worte zur damaligen Rechtsprechung.

Nur durch die Folter konnte es geschehen, dass Grete Minde aussagte. Bis zum Schluss hoffte sie auf eine günstige Wende ihres Schicksals. Sie befand sich jedoch in den Händen des Scharfrichters Moritz Winsel, der Anfang des 17. Jahrhunderts Rad, Schwert und Galgen handhabte. Eine Bestie in Menschengestalt! Mit dem Schinderkarren brachte er die Verurteilten aus der Stadt zum Weißen Gericht, dem Galgen der ehemaligen Raffinerie. Unterwegs zwickte er die Unglücklichen mit glühenden Zangen. 1615 errichteten sämtliche Gilden solche Richtstätten. Niemand durfte sich von Hinrichtungen ausschließen. Dies galt als unehrenhaft, und unbeteiligt gewesene Bürger sollte man später verspotten können.

Doch zurück zu Moritz Winsel. Nur dem Kurfürsten unterstand er. Sogar der Rat fürchtete seine Streitsucht. Am 23. August 1633 teilte Dieser den Schöffen zu Brandenburg mit, dass er den Scharfrichter habe einsperren müssen, weil er ein "gantz heiloser Mensch sei, der freventlich mit gespannter Büchse auf den Gassen herumgelaufen sei und sogar das Gewehr gelöst habe."

Bald darauf jagte er mit dem Schinderkarren, er war Scharfrichter und Abdecker in einer Person, wie "toll und vollgesoffen" durch die Straßen. Mit schussbereiten Pistolen bedrohte er die flüchtenden Einwohner. An seiner Seite blitzte das Richtschwert. " Der Teufel soll Euch alle zusammen holen", gellte sein Ruf durch die ganze Stadt.

Einmal hielt er sogar unter wüstem Schimpfen vor den Häusern der Ratsherren. Im Ratskeller erschien er mitten im frohen Gelage mit offenem Messer in der Hand. Diesem Menschen wurde Grete Minde ausgeliefert.

Endlich jedoch schien sein Maß voll gewesen zu sein. In den Akten taucht bei Hinrichtungen der Name des Stendaler Scharfrichters Henning auf.