Sankt Stephan

 

Die Stephanskirche befindet sich auf der höchsten Erhebung Tangermündes - dem Prälatenberg. Sie zählt zu den herausragenden Bauwerken der norddeutschen Backsteingotik.Verschiedene Quellen schrieben dem Turm eine Höhe von 94 Metern zu. Einige wenige Tangermünder und auch Touristen äußerten über viele Jahre Zweifel an dieser enormen Höhe. Erst die Vermessung des Turms im Zuge der Sanierung (1998-2000) sollte den Skeptikern Recht geben und ergab eine Höhe von "nur" 87,5 Metern. Aber auch mit dieser Höhe darf St. Stephan für sich weiterhin beanspruchen, der höchste Kirchturm in der Altmark zu sein.

Das erste nachweisbare Bauwerk ist eine romanische Backsteinkirche von vor 1188. Von diesem sind Teile im heutigen Bau erhalten- an der Außenwand des letzten Langhausjoches befindet sich zwischen zwei kleinen gotischen Rundbogenfenstern ein romanisches Fenster.

Im späten Mittelalter entstand in mehreren Etappen der heutige Bau. In der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts errichtete man zunächst die Langhausnordwand und die mit Nischen ausgestattete Wandzone der Südwand. Um 1405 wurde der Dachstuhl gezimmert und das Kreuzrippengewölbe eingezogen.

In der lokalen Geschichtsforschung wurde Kaiser Karl IV. gerne für diesen Bauabschnitt als Auftraggeber angeführt. Eine Auftraggeberschaft Karls IV ist jedoch nicht nachweisbar und eher unwahrscheinlich. Zwischen 1373 und 1378 bezog Karl IV. die Tangermünder Burg als Residenz in die Reichsverwaltung mit ein. Er installierte ein Augustinerchorherrenstift auf der Burg, welchem er die Stephanskirche als Einnahmequelle übertrug.

Vermutlich kurz nach Mitte des 15. Jahrhunderts konnte der Neubau des Chores in Angriff genommen werden. Zunächst entstanden die Umfassungsmauern des Chorumganges und der Querflügel, dann erst wurde der alte romanisch Chor abgerissen. Der Dachstuhl über dem Chor wurde 1474/75 aufgestellt.

Erst sehr spät, nämlich 1538, setzte sich in der Stadt die lutherische Reformation durch. Die neue Kirchenordnung bestimmte die Stephanskirche zur alleinigen Pfarrkirche im Ort.

Einen schweren Einschnitt in der Tangermünder Stadt- und Kirchengeschichte verursachte der Stadtbrand von 1617, dem ein Teil der mittelalterlichen Ausstattung und auch der Turmhelm zum Opfer fielen. Danach wurden die Kanzel, die Orgel, die Langhausempore, das Chorgestühl und später der Hochaltar erneuert. Erst 97 Jahre später, also 1714, fand die Stadt die Kraft dem Glockengeschoß des Turmes einen neuen Helm aufzusetzen. Die damalige Baugestalt hat die Kirche im wesentlichen bis heute bewahrt.

Die ursprüngliche Raumfarbigkeit mit weiß getünchten Wänden und Pfeilern, sowie rot und grau abgesetzten Bau- und Gewölbegliedern wurde bei der Restaurierung 1980-83 entdeckt und wieder hergestellt.