Die 1000 Jahre alte Stadt liegt in der Altmark, die zur ehemaligen Kurmark Brandenburg gehörte. Die Burg Tangermünde wird bereits 1009 zum ersten Mal genannt. Sie war zum Schutze der damaligen deutschen Ostgrenze eine Reichsfestung, etwa 10 bis 15 Meter hoch über der Elbe und Tanger gelegen. Später ging sie in den Besitz der Markgrafen von Brandenburg über. Von 1373 bis 1378 diente sie Karl IV. , römisch deutscher Kaiser und König von Bömen als Nebenresidenz. Danach war sie eine Zeitlang Sitz der Kurfürsten und Markgrafen aus dem Hause Hohenzollern.

In Anlehnung an die Burg entwickelte sich im 12. Jahrhundert eine kaufmännisch gewerbliche Niederlassung, aus der die Stadt hervorging, 1275 erstmals urkundlich als solche erwähnt. Sie gehörte der Hanse (s.u.) an und erlebte, gemeinsam mit den anderen altmärkischen Städten, im 15. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blütezeit. Damals entstanden viele Baudenkmäler, heutige Sehenswürdigkeiten.

Später wurde Tangermünde eine kleine Landstadt, deren Bürger im 17. Jahrhundert an den Folgen mehrer Brände und an denen des Dreißigjährigen Krieges zu leiden hatten. Auch von der Schwarzen Pest blieb die Stadt nicht verschont. 1598 suchte der "Schwarze Tod" 1400 blühende Menschenleben, 1599 waren es 1540, 1626 starben 1600 und 1682 ungefähr 1000 Opfer. So hinterließ dieses 17. Jahrhundert nichts als ein darnieder liegendes Städtchen , die letzten Spuren seiner einstigen Blüte waren durch Brand, Krieg und den schwarzen Tod dahingerafft.

 

So kam es, dass Tangermünde Ende des 17. Jahrhunderts eine unbedeutende Landstadt ohne wirtschaftliche Bedeutung war. Dennoch entstanden gerade in dieser Zeit, die von Not und Armut geprägt war, Fachwerkhäuser mit schönen Portalen und sehenswerten Schmuckformen.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Ort zu einer Industriestadt mit bis zu 14.000 Einwohnern. Da sich die Industriealisierung nördlich, außerhalb Tangermündes vollzog und auch beide Weltkriege kaum Spueren hinterlassen haben, konnte die Stadt ihr ursprüngliches Fachwerkbild mit altem Gepräge bis in die heutige Zeit erhalten. Schon 1920 wird Tangermünde als das "nordische Rothenburg" bezeichnet.

Tangermünde hat heute verhältnismäßig wenig Industrie und 9493 Einwohner. (Stand: Januar 2009)

Marktgeschehen um 1900

 

Das Hühnerdorf

Es handelt sich dabei um die ehemalige Dorfstraße eines ursprünglich slawischen Dorfes. Das Hühnerdorf ist wesentlich älter als die Stadt und befand sich unmittelbar vor den Toren der Burg. Seine Bewohner lebten in feudaler Abhängigkeit von der Burg und mussten Hühner, als auch Eier als Zins dorthin abliefern. Friedrich der Jüngere (ursprünglich Hohenzollernfürst Friedrich VI., welcher sich später Markgraf Friedrich I. nannte) verkaufte das Dorf an den Rat der Stadt, wodurch dieses zu einer Tangermünder Vorstadt wurde. Obwohl das ehemalige Dorf nun Stadtteil war, wurden den Einwohnern nicht alle bürgerlichen Rechte erteilt. Brauen, Backen, Malzen und das Betreiben der meisten Handwerke war ihnen untersagt. Und so kam es, dass dort vorwiegend Tagelöhner, Fischer, Müller, Schmiede, Leineweber und andere Kleinbürger lebten. 1678 brannte das Dorf vollständig nieder, sodass kein Haus aus der Zeit vor dem Brand erhalten ist. Von dem ehemals kleinen Dörfchen ist ansonsten fast nichts überliefert, lediglich, dass es mehrere Orte, vor allem in der Altmark, mit dem Namen "Hühnerdorf" gab, ist bekannt.

 

 

 

 

 

Das Hühnerdorf mit Hühnerdorfer Tor, einem der 3 Stadttore

Das Dorf Carlbau

Bei der Straße mit dem Namen Carlbau handelt es sich ebenfalls um ein ehemaliges kleines Dorf, genauer gesagt um eine slawische Fischersiedlung in unmittelbarer Nähe des Elbufers. Bis 2002 war ein Großteil der Straße noch immer eine kopfsteingepflasterte Dorfstraße. Der Ort wurde im Mittelalter Calbu oder auch Calbow geschrieben. Der Name geht vermutlich auf das slawische Wort "calu" = Sumpf zurück. Das Landbuch der Mark Brandenburg (um 1375) berichtet darüber, dass das Dorf dem Markgrafen gehörte und seine Bewohner ihn zu festgelegten Anlässen mit Fischen zu versorgen hatten. Ferner waren sie zu genau vorgeschriebenen Dienstleistungen gegenüber dem Burgherren verpflichtet. Der Markgraf seinerseits gewährte den Dorfbewohnern Schutz und stattete sie mit Rechten und Freiheiten aus. So hatte der Ort eine eigene niedere Gerichtsbarkeit in Streitfällen für Grenz-, Weide-, und Fischereiangelegenheiten.

Ein Großfeuer im Jahre 1785 äscherte das Dorf fast vollständig ein und verschonte lediglich 2 Bauernhöfe. Ein Schriftzug über dem Torbogen des Hauses mit der Nummer 3 erinnert an jenen Unglückstag. Der Türsturz der Hausnummer 15 zeigt die Jahreszahl MDCCCXXI (1821).

In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Dorf in nördliche Richtung durch das Entstehen einer großen Zuckerindustrie. Die Stadt dehnte sich ebenfalls in diese Richtung aus und bezog das Dorf mit ein. 1906 wurde Carlbau nach Tangermünde eingemeindet.

 

Die Schloßfreiheit...

... eine Burgstraße, bildet den Zugang zur Burg und war vermutlich eine Burgmannensiedlung. In dieser Straße gab es 9 Burglehnhöfe bzw. -häuser, auch Freihäuser genannt. Die Bewohner (Burgmannen) bekamen die Siedlung als Lehen vom Markgrafen und hatten die Aufgabe die Burg zu bewachen und gegebenfalls zu verteidigen. Die Schloßfreiheit gehörte somit zum Burgbezirk, auch wenn sie durch ein Außentor zur Burg abgeschlossen war. Die Schloßfreiheit war ebenfalls in sich durch ein weiteres Außentor zur Stadt geschlossen und bildete auf diese Weise eine zweite Außenbefestigung für die Burg. Der einzige überlieferte bekannte Name des Schloßhauptmannes ist Peter Krull. Sein Wohnsitz war innerhalb der Siedlung, die heutige Schloßfreiheit 5. Der Name Schloßfreiheit erklärt sich möglicherweise daher, dass die Grundstücke frei von städtischen Abgaben und steuerlichen Lasten waren.

Das Burglehnhaus mit der Nummer 5 ist das älteste Tangermünder Wohnhaus. Sein Untergeschoss wurde 1543 im Stil der Renaissance in verputzem Backsteinmauerwerk aufgeführt. Es zeigt ein großes Rundbogenportal und Fenstergewände dieser Zeitepoche. Die Sitznischen zu beiden Seiten des Eingangsbereiches werden durch zwei Medaillons geziert, welche die Brustbilder der ehemaligen Besitzer zeigen. In Umschrift ist zu lesen: "Petrus Grullius anno Christi MDXXXXIII" und "Georgius Grullius anno domini 1543". Das Obergeschoss des Hauses mit seinen Schräg- und Rautenkreuzen wurde später aufgesetzt und erfolgte wahrscheinlich erst im 17. Jahrhundert.

 

 

Tangermündes ältestes Haus

Eingangsportal des ältesten Hauses

 

Petrus Grullius

links und rechts des Eingangsportals:

Brustbilder der ehemaligen Besitzer

Georgius Grullius

 

Der Bleichenberg

Bis in das 20. Jahrhundert hinein wurde vor allem von der ärmeren Bevölkerung die Wäsche in Zubern mit Wasser aus dem Fluss, oder sogar direkt im Fluss gewaschen.

Die so genannte "große Wäsche" wurde 2-mal im Jahr durchgeführt, konnte bis zu einer Woche dauern und setzte sich aus mehreren Arbeitsgängen zusammen: Einweichen der Wäsche, bedecken mit Pottasche, überbrühen mit Sodalauge, schlagen, bürsten, reiben, spülen, bleuen ( prügeln - die Wäsche wurde geschlagen), bleichen, stärken, wringen, aufhängen, ausbessern, strecken, mangen (mangeln) und bügeln. Die verwendete Lauge setzte sich aus Buchenasche und Wermutsstauden oder Lavendel zusammen.

Der Name Bleichenberg oder Bleicherberg ist damit zu begründen, dass der Weg von der Stadt zur Elbe an dem Hang vorbei führte und seine sonnige geschützte Lage eine willkommene Gelegenheit bot, die Wäsche unterhalb des Hanges zu waschen, um sie anschließend zum Trocknen und Bleichen aufzuhängen, oder auf der Wiese auszubreiten.

 

Die Fischerstraße

Über die Treppe des Steigberges gelangt man direkt in die Lange Fischerstraße, welche ursprünglich lediglich Fischerstraße hieß. Fast auf gleicher Höhe mündet die Kleine Fischerstraße in die Lange Fischerstraße. Einst wohnten hier die Mitglieder der Fischergilde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es den Namen Kleine Fischerstraße noch nicht. Meist wurden diese kleinen Nebenstraßen nach den Besitzern der Eckhäuser benannt, oder auch als Achter- oder Hinterstraßen bezeichnet. Solche Straßen waren schmal und entsprachen der gesellschaftlichen Stellung ihrer Bewohner. Hier lebte vor allem die arme Schicht der Bevölkerung, aber auch kleinere Handwerker.

Blick in die Kleine Fischerstraße

Buhnenkopf wird dieses Haus im Volksmund genannt.Seinem trapezförmigen Grundriss verdankt es seinen Namen.

 

Zum Begriff der Hanse: "Hansa" ist ein sehr altes germanisches Wort, was soviel bedeutet wie "bewaffnete Schar" und bezeichnet den Zusammenschluss von Kaufleuten, welcher der Interessenvertretung und dem Schutz der Kaufleute vor allem beim Handel im Ausland diente. (Allerdings wurde dieser Begriff auch für eine entrichtete Abgabe verwendet.) Aus dem Bedürfnis heraus nach eigenem Schutz zogen die Kaufleute in Gruppen von Stadt zu Stadt. Besonderen Auftrieb erhielt die Entwicklung der Kaufmannshanse um die Mitte des 12. Jahrhunderts mit dem Einsetzen der europäischen Ostkolonisation. Durchgesetzt hat sich, den Zusammenschluss der Kaufleute seit dem 12. Jh. ebenso als Hanse aufzufassen, wie die Städtegemeinschaft des 14. Jh. Es gibt kein Gründungsdatum der Hanse. Sie ist entstanden und gewachsen. Ihre Ausdehnung erstreckte sich auf ganz Europa und darüber hinaus. In den Zeiten ihrer größten Ausdehnung waren knapp 300 See- und Binnenstädte Nordeuropas in der Städtehanse zusammengeschlossen.

Dem hanseatischen Gedanken folgend, fand 1980 in Zwolle (NL) der erste Hansetag der Neuzeit statt, welcher mit Vertretern aus 43 "alten" Hansestädten begangen wurde. Seither findet der Hansetag jährlich in einer anderen Stadt statt um alte Traditionen zu pflegen. Das bekannteste Wahrzeichen der Hanse dürfte wohl das Lübecker Holstentor sein.

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